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18.08.2009, Halle

August 18, 2009

From ALEXANDER SCHIERHOLZ in Tuesday’s MZ
HALLE/MZ. Es ging alles ganz schnell: “Das hat 20, 30 Sekunden gedauert, dann waren die wieder weg”, schildert ein Augenzeuge. In diesem kurzen Zeitraum prügelte während eines Fußballspiels der halleschen Stadtliga eine Gruppe von Schlägern wahllos auf Zuschauer ein. Ein 41-jähriger Mann liegt seitdem mit einer Gesichtsfraktur im Krankenhaus, ein 54-jähriges Opfer klagt über Schmerzen im Steißbereich.

“Ihr seid die neuen Juden”

Der Vorfall ereignete sich bereits am Samstag zu Beginn der Halbzeitpause der Partie Motor II gegen Roter Stern Halle, wurde aber erst gestern bekannt. Und hat möglicherweise einen rechtsextremen Hintergrund. Ein Mitglied von “Roter Stern” berichtet jedenfalls, Anhänger des linksalternativen Klubs seien von den Schlägern beschimpft worden. Ausrufe wie “Ihr seid Zecken, ihr seid die neuen Juden, wir machen euch weg”, seien gefallen. Dann hätten einige aus der acht bis zehn Mann starken Gruppe ohne Vorwarnung angegriffen. Mitten im Publikum, zu dem auch Familien mit kleinen Kindern zählten.

Die Täter sollen Quarzsandhandschuhe getragen haben, die wegen ihrer harten Füllung beim Zuschlagen besonders schwere Verletzungen verursachen. Die Polizei bestätigt das allerdings nicht, sie geht nach ihren bisherigen Ermittlungen auch nicht von einem rechten Überfall aus. “Wir haben nichts, was darauf hindeutet”, sagt ein Sprecher.

Im Gegenteil: Die beiden Männer, die nach dem Angriff festgenommen wurden und als Tatverdächtige gelten, seien bisher “politisch nicht in Erscheinung getreten”. Dafür sind der 19- und der 20-Jährige laut Polizei auch bei anderen Fußballspielen im Raum Halle schon durch Gewalt aufgefallen – und in der Gewalttäter-Datei Sport erfasst. Der jüngere von beiden hat nach Polizeiangaben sogar ein bundesweites Stadionverbot. Das allerdings gilt nur bis zur vierten Liga, in diesem Fall also nicht.

Tendenz nach rechts

Der Verein “Roter Stern” bleibt indes bei seiner Darstellung: “Wir haben unter unseren Fans keine Hooligans”, sagt ein Mitglied, “die haben also sicher nicht nur jemanden gesucht, um sich zu prügeln.” Vielmehr sei der Überfall eine geplante Aktion gewesen. Und es sei kein Geheimnis, dass die Hooligan-Szene nach rechts tendiere.

Unterdessen wehrt sich “Motor”-Trainer Jörg Machatsch gegen Vorwürfe von “Roter Stern”-Fans, er kenne den Schlägertrupp, der erst nach Anpfiff am Spielfeldrand erschienen sei. Er habe lediglich einen Zuschauer begrüßt, der in der Nähe der Gruppe gestanden habe. “Wir distanzieren uns klar von rechten Umtrieben”, so Machatsch.

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