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Brutaler Neonazi-Überfall nach Fußballspiel der BSG Chemie Leipzig fordert Schwerverletzten

October 5, 2009

http://agdoc.wordpress.com/2009/10/04/brutaler-neonazi-uberfall-nach-fusballspiel-der-bsg-chemie-leipzig-fordert-schwerverletzten/

Militante Neonazis haben am Sonntag Fußball-Fans der BSG Chemie Leipzig
überfallen. Die Angreifer um NPD-Stadtratskandidat Enrico Böhm waren
bewaffnet und gingen äußerst brutal vor. Ein Anhänger der BSG Chemie
musste schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert und notoperiert werden.

Im Anschluss an das Kreisklassespiel zwischen der BSG Chemie und dem SSV
Kulkwitz hatte sich eine Gruppe von 15 bis 20 Neonazis an einer
Tankstelle gegenüber dem Stadion formiert. Die aus dem Umfeld von NPD
und “Freien Kräften” stammenden Täter griffen die Chemie-Fans mit
Pfefferspray, Holzknüppeln, abgebrochenen Glasflaschen und
Eisenstangen an. Bereits zuvor war ein Chemie-Fan an einer
Bushaltestelle in der Merseburger Straße von fünf der späteren Angreifer
angepöbelt und gejagt worden.

Im Zuge des Angriffs wurde ein Chemie-Fan gezielt von einem Pkw der
Täter mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 km/h angefahren. Das Opfer,
das zunächst in die Luft geschleudert und zu Boden gestürzt war, konnte
anschließend seine rechte Körperseite und seinen Rücken nicht mehr
spüren. Im Krankenhaus musste sich der Angefahrene einer
Notoperation unterziehen. Er trug schwere Knieverletzungen davon und
kugelte sich eine Schulter aus.

Zur Tatzeit gegen 17:10 Uhr waren keine Polizeikräfte mehr vor Ort. Die
Angreifer flüchteten unmittelbar nach dem Vorfall in mehreren Pkw. Wenig
später wurden zwei der Fahrzeuge vor dem NPD-Zentrum in der
Odermannstraße gesichtet. Als Täter konnten neben NPD-Kandidat Enrico
Böhm die “Autonomen Nationalisten” Florian Junge und Marcus Weidhase
identifiziert werden. Beide werben in dem offiziellen
Mobilisierungsvideo für die bundesweite Neonazi-Demonstration “Recht auf
Zukunft” am 17. Oktober in Leipzig. Erkannt wurden außerdem der zu den
“Autonomen Nationalisten” und zum “Freien Netz” zu zählende Patrick
Fischer sowie Andreas und Dittmar Schumer, beide Aktivisten beim
“Nationalen Widerstand” und Hooligans des 1. FC Lokomotive Leipzig.

Die Leipziger Neonaziszene instrumentalisiert den lokalen Fußball
gezielt, um die eigene Ideologie zu verbreiten und Anhänger zu
rekrutieren. In einem Dossier der Wochenzeitung DIE ZEIT wurde unlängst
die rechtsextreme Unterwanderung der Fanszene des 1. FC Lokomotive
Leipzig und dabei die maßgebliche Rolle Enrico Böhms aufgezeigt. Fans
der BSG Chemie Leipzig dienen den Neonazis als Feindbild, da sie sich
aktiv gegen
Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Sie waren zuletzt wiederholt
Opfer rechtsextremer Gewalt geworden. So musste am 3. Januar dieses
Jahres ein Fan der BSG Chemie nach einem Neonazi-Überfall mit Verdacht
auf Schädelbasisbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden.

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